Autor: Iris Laubstein

  • Klug, kritisch und herzlich

    Klug, kritisch und herzlich

    Copyright Fotos: Ursula Wenzel

    Klug, kritisch und herzlich

    Der Verband Deutscher Industrie Designer VDID trauert um Gerda Müller-Krauspe, die am 2. März 2022 im Alter von 85 Jahren verstorben ist.

    Sie war viele Jahre engagiertes Mitglied im VDID Präsidium (1969-1980). Die Bedeutung institutioneller Arbeit für das Design und die Interessensvertretung der Profession hat sie auch als Mitglied des Deutschen Werkbundes sowie als Mitbegründerin des club off ulm und des Designerinnen-Forum umgetrieben.

    Ihr Weg als Kriegskind führte sie über eine Tischlerlehre zu ersten Arbeitsjahren in Kanada und schließlich zum verheißungsvollen Neuanfang nach Ulm an die HfG Hochschule für Gestaltung. Die Erfahrungen dort prägten sie als Designerin in der Industrie, Dozentin, Design-Theoretikerin und -Publizistin sowie schließlich Geschäftsführerin der IKEA Stiftung nachhaltig.

    Die Auseinandersetzung mit den Intentionen der legendären HfG begleitete sie bis ins Alter. Neben der Frage nach der Rolle der Frauen, gehörte sie zu denen, die früh die herausragende Bedeutung von Ökologie und sozialer Verantwortung im Design erkannte und die entsprechende Haltung einforderte.

    Sie war in vieler Hinsicht für meine Generation von Designerinnen, wenn nicht Vorbild so doch Leitbild: ein Rollenbild dafür, dass Frauen sichtbar und wirksam werden können. Bei der ersten großen Recherche, Ausstellung und Publikation in Europa zur Situation der „Frauen im Design“ durch das Design Center Stuttgart 1989 wurde sie zur engagierten Mitstreiterin, die keine Zweifel zuließ über die Notwendigkeit dieser Bestandsaufnahme der Berufsbilder und Lebenswege der Frauen im Design seit 1900.

    Gerda Müller-Krauspe – mit dem Doppelnamen und der rauchig herben Stimme, begleitete mit klaren direkten Worten, deren Humor Misstöne immer wieder ins Lot brachte, wohlwollend auch die aus der Stuttgarter Pionierleistung erwachsene Gründung des Designerinnen-Forum im Jahr 1992. In solchen Prozessen konnte sie klarstellen, klären, ohne zu verletzten, Mut machen ohne zu beschönigen und Unterstützung bieten, die vom Herzen kam. Mit ihren liebevoll zusammengestellten Grußkarten verband sich verlässliche Fürsorge.

    Als engagierte Mitstreiterin für die Sache der Designerinnen und Designer und liebenswerten empathischen Menschen fehlt Gerda Müller-Krauspe sehr.

    Beisetzung: 31. März 2022 um 12 Uhr Friedhof Frankfurt Westhausen

    Iris Laubstein

    Copyright Foto: Ursula Wenzel

  • Nachhaltiges Design gesucht!

    Nachhaltiges Design gesucht!

    Copyright: Deutscher Nachhaltigkeitspreis Preisstatuette Fotocredit Frank Fendler

    Nachhaltiges Design gesucht! Bis zum 14. Mai 2021 bewerben.

    „Gut, dass Engagement für Nachhaltigkeit im Design mit diesem Preis gewürdigt wird und dadurch eine Bühne erhält“, sagt Designer Stefan Diez. DNP-Initiator Stefan Schulze-Hausmann resümiert: „Die Idee, das DNP-Design-Siegel als Orientierungshilfe für Konsument*innen zu etablieren, ist aufgegangen.“ Designklassiker von Thonet und Dyson haben 2020 ebenso wie Fahrradreifen aus Löwenzahn, DIY- und Reparatur-Plattformen und vorbildhafte Kampagnen wie „Weniger ist leer“ von Brot für die Welt das neue Nachhaltigkeitszeichen erhalten.

    Ausgezeichnet werden auch dieses Jahr die besten Beispiele für nachhaltiges Design aus allen Lebens- und Arbeitsbereichen wie z.B. Einrichtung, Ernährung, Kleidung, Mobilität, Kommunikation und Freizeit. Unter Design wird nicht allein die Gestaltung physischer Produkte, sondern die Entwicklung aller denkbaren Produkte, Systeme oder Dienstleistungen verstanden. Die Lösungen müssen auf dem deutschen Markt verfügbar oder zur Markteinführung in Deutschland vorgesehen sein. Die Lösungen sind per Online-Fragebogen und aussagestarkem Bildmaterial vorzustellen. Auf physische Einsendungen wird verzichtet. Die Preisverleihung findet am 2. Dezember 2021 in Düsseldorf statt.

    Deutscher Nachhaltigkeitspreis 

    Juror Stefan Diez und sein „Leitfaden für gutes Design in der Kreislaufwirtschaft“

  • INTERACTIVE TABLES IN HOMES

    INTERACTIVE TABLES IN HOMES

    Interactive Table: Anwendungskonzept aus dem Projekt PraktikApp (Bild: Tim zum Hoff, Sabrina Großkopp, Universität Siegen / Ubiquitous Design)

    If there is a Future of Domestic Interactive Tables, it is Social. – TREND-STAGE-Vortrag auf der digitalen interzum 2021 am 7. Mai um 13 Uhr

    Im Rahmen der TREND STAGE wird Prof. Dr. Marc Hassenzahl das BMBF Förderprojekt PraktikApp am 07. Mai 2021 ab 13 Uhr während der interzum @home vorstellen. Die Projektpartner Hochschule Düsseldorf, Häfele, IOX Lab, Tennagels, Nyris, spek DESIGN und Universität Siegen entwickeln gemeinsam mit den assoziierten Partnern VDID und VDM eine digitale Tisch-Infrastruktur, die weniger das technisch Mögliche, sondern das sozial Nötige unterstützt. Der Tisch – das soziale Herzstück unserer Wohnungen – wird im Projekt um digitale Interaktionsmöglichkeiten erweitert und als gemeinsames Endgerät neu gedacht.

    Während des Vortrages wird aufgezeigt, wie interaktive Tische für Nutzung im Wohnkontext anders gestaltet werden können, als sie bisher aus Industrie und Forschung bekannt waren. Zuschauer*innen mit einem Hintergrund in Produkt- und Industriedesign sind außerdem dazu aufgerufen, sich im Rahmen des Vortrages bereits über den Folge-Workshop, der für Ende Juni 2021 geplant ist, zu informieren. Im Workshop sollen die gestalterischen Perspektiven interaktiver Tische näher beleuchtet und gemeinsam weiterentwickelt werden. Nähere Informationen hierzu werden während des Vortrages bekanntgegeben oder können auf der Projektwebseite eingesehen werden.

    Sprache/Language:
    The presentation will be held in English

    Anmeldung/Registration:
    www.interzum.de/die-messe/tickets/tickets-kaufen

    www.interzum.de/event/interactive_tables_in_homes-if_there_is_a_future_of_domestic_interactive_tables_it_is_social

    www.praktikapp.com 

    VDID Mitglieder erhalten Gutscheincodes über die Geschäftsstelle mail@vdid.de

  • Weit weg und doch nah?

    Weit weg und doch nah?

    Weit weg und doch nah?
    Was haben chinesische und deutsche Designstudierende gemeinsam?

    Im Wintersemester 2020/2021 hatte ich Gelegenheit, 35 chinesische Siebtsemester des IDI Industrial Design Institute in Zhaoqing zu unterrichten. Das IDI ist eine Kooperation der Zhaoqing University in der Provinz Guangdong mit der Folkwang Universität der Künste in Essen, an der ich von 2008 bis 2016 als Dozentin für Design Management tätig war.

    Zum Einstieg ins Design Management als Instrument zur Steuerung von Entwicklungsprozessen, Marken und Unternehmen galt es, zwei Inhalte zu vermitteln: das Leitmotiv „Design Management brings all creative duties of Corporate Behavior, Corporate Design and Corporate Communication together for the dialog on the market” und die Vorstellung einer Struktur aus Strategie, Prozess und Kommunikation, also auch die Definition von Werten, Haltungen und Zielen. Auch wenn von den chinesischen Studierenden nur wenige einen Weg in die Selbständigkeit anstreben, ist dies auch auf die eigene Person als Designer:in übertragbar: Wo komme ich her, was bringe ich mit, wo will ich hin, wie ist das zu erreichen?

    Die Zeitspanne und das Onlineformat ließen kaum tiefe Einblicke zu, aber einige Antworten konnte ich mit den in fünfzehn Jahren an drei deutschen Hochschulen gesammelten Aussagen abgleichen. Der Zugang zum Studium unterscheidet sich für die chinesischen Studierenden erheblich von dem der deutschen. In China bestimmt nach der Schule ein Punktesystem darüber, welche Studiengänge überhaupt gewählt werden können – und für Design benötigt man verhältnismäßig wenig Punkte. Im Vergleich zu Deutschland sind es so nicht viele Anfänger, die früh in sich den Hang für gestalterisches, Malen und Zeichnen und kreatives Schaffen verspürten, bei der Studienwahl keinen Plan B oder überhaupt einen Plan haben.

    Gerade ohne diese anfängliche „Leidenschaft“ war es spannend zu erkunden, wo ihre persönlichen Ambitionen und Intentionen liegen. Bei der Frage, was sie im Design antreibt, welches ihre Rollenmodelle sind, waren die Rückmeldungen erstaunlich dicht an denen der Studierenden in Deutschland. Und die Stereotype der Designvorbilder ist bemerkenswert: zu zweidrittel japanisches oder japanisch inspiriertes Design von Naoto Fukasawa über Dieter Rams bis Jonathan Paul Ive und verschwindend wenige Motive aus der eigenen Kultur. So war eine Aufgabe herauszufinden, was sie aus ihren kulturellen Wurzeln an Eigenständigkeit und Werten in ein künftiges Markenverständnis chinesischer Produkte und Dienstleistungen einbringen wollen.

    Design als Marketinginstrument in der Markenwelt ist bei den chinesischen Studierenden omnipräsent. Ewig grüßt sozusagen das Marken-Murmeltier Appel, das für alles als Beispiel herhalten muss, auch für widersprüchliche Zuordnungen. So werden Appel Produkte als nachhaltig gesehen – weil auf der Appel Website steht, wie sich das Unternehmen darum bemüht. Eine Einführung in die Prinzipien von Kreislaufwirtschaft und das Beispiel des permanenten Modellwechsels nicht reparierbarer iPhones durchbricht diese Logik nicht.

    Die Auseinandersetzung mit individuellen und gesellschaftlichen Werten ist schon im eigenen Kulturkreis schwierig. Viele Jahre haben die Designer:innen im VDID Verband Deutscher Industrie Designer um die Entwicklung ihres Codex für Industriedesign gerungen. Wie aber kann der Austausch über Werte zwischen so unterschiedlichen Kulturen gelingen? Die scheinbare Übereinstimmung mit dem Formenkanon globaler Designklischees sagt wenig über die Einstellung dazu aus. Die Bewunderung westlicher Designhaltungen wie zum Beispiel die von Dieter Rams formulierten Postulate zum guten Design, schließt nicht die Akzeptanz und den Stolz auf das eigene autoritäre Herrschaftssystem aus. Was sagt das über den politischen Impetus von Design?

    Visionen zum Wertedialog zwischen den Interessensgruppen – Kunden, Nutzern, Produzenten, Vertreibern bis Gesellschaft und Politik – erschöpfen sich vielfach in der Vergabe von Labels zur Vermarktung von „grünen“ Produkten. Zwar besteht der Anspruch, mit Design Probleme zu lösen, die Welt schöner und besser zu machen, aber wo bleibt die individuelle Verantwortung? Alle Lösungsansätze unserer globalen Herausforderungen haben im Kern gleiche Prämissen: Haltung zeigen, Verantwortung übernehmen, die Kosten nennen und dafür „geradestehen“. Das verlangt, Komplexität zu akzeptieren und Erkenntnisse immer wieder zu evaluieren. Können Designer:innen das leisten? Schwierig mit Anfang Zwanzig, da scheint weltweit das gleiche Muster verbreitet: Ziel vieler Berufsträume ist hier wie dort: MEIN Design, MEIN Stil, MEINE unverwechselbare Gestaltung, MEINE Produkte… Entwicklungspsychologisch ist das verständlich, für die Zukunft wird es nicht reichen.
    Und wieviel Kooperation zwischen unterschiedlichen Kulturen ist möglich, um globale Probleme zu lösen?

  • Orientierung in der Designausbildung

    Orientierung in der Designausbildung

    Designing Design Education, Weißbuch zur Zukunft der Designlehre
    Verdienstvolle Analyse zur Orientierung in der Designausbildung

    Die if Design Foundation hat ein anspruchsvolles Weißbuch herausgebracht, laut Christoph Böninger, dem Vorsitzenden der Stiftung, mit dem Ziel: Die Designausbildung soll besser werden! Über fünf Jahre wurden insgesamt 250 Lehrende, Studierende und Vertreter:innen der Berufspraxis auf vier Kontinenten in Interviews und Hearings befragt. Das Ergebnis ist ein klar strukturiertes und schön illustriertes, spannendes Buch, das eine Bestandsaufnahme der vielfältigen Ansprüche an zukünftige Designer:innen leistet. Beeindruckend ist die Leistung von René Spitz, der als Verantwortlicher für die Texte in exzellenter Sprache durch den Prozess führt.

    Basis der Analyse sind vier Hearings in Gmund, Pasadena, Kyoto und Johannesburg, ergänzt um Literaturrecherche und Beobachtungen in den vier Weltregionen. Der besondere Reiz liegt in den Einblicken, sowohl was die Übereinstimmungen, aber vor allen Dingen die Unterschiede im Verständnis von Design und den Prämissen für die Designausbildung betrifft. Allen gemeinsam ist die Unzufriedenheit mit dem Stand der Dinge. „Unisono wird geschildert, dass der Status quo der Designlehre nicht genügt, um die Anforderungen zu bewältigen, die sich aus der dynamischen Veränderung von Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft ergeben.“, so eine der Aussagen der Executive Summary. Einig ist man sich auch in der Definition des gemeinsamen Nenners: „Als Kern aller Praktiken im Design wird die Kombination aus Vorstellungskraft (Visionierung) und der Fähigkeit zur Veranschaulichung (Visualisierung) definiert. Deshalb erfordert das Designstudium eine Balance aus intellektuellem Denken und manuellem Machen, aus Vertiefung von Details und Betrachtung von Zusammenhängen.“

    Sehr spannend wird die Auseinandersetzung um das Verständnis von Design, wenn in Kyoto und besonders Johannesburg von westlichen Interpretationen abweichende Konzepte vorgestellt, eigene kulturelle Traditionen benannt werden und die Dominanz des Design-Kolonialismus in Frage gestellt wird. Die Entwicklung eines eigenständigen Verständnisses der Rolle von Kultur, Handwerk, Kunst und Design in der Gesellschaft könnte auch hierzulande Denkblockaden lösen. Wünschenswert wären solche Einblicke in das chinesische Design-Selbstverständnis, auch um zu evaluieren, was internationale Hochschulkooperationen zwischen den unterschiedlichen Kulturkreisen bewirken können und sollen.

    Die an die Designausbildung gestellten Ansprüche sind vielfältig und teilweise widersprüchlich. Als Lehrende an unterschiedlichen Hochschulen und als Vertreterin der Berufspraxis in Evaluationsprozessen kenne ich die Problematik der Umsetzung. Ein Verdienst des Weißbuches liegt in der Zusammenfassung der unterschiedlichen Postulate, die die gewaltige Bandbreite der Profession widerspiegeln und die damit erforderlichen Richtungsentscheidungen. Im Bologna Prozess der letzten Jahre an den deutschen Designhochschulen hätte es sicher gute Dienste bei der Schärfung der Argumentation in den Curricula geleistet.

    Das Weißbuch fördert hoffentlich die Weiterentwicklung in der Ausbildung. Ob die Aussagen des deutschen Hearings für Europa stehen können? Immerhin gibt es in Deutschland die meisten Designausbildungsstätten. Bologna und unser föderales System bedeuten, dass Hochschulen zur Existenzsicherung im Wettbewerb um die Anzahl von Studierenden stehen. Niemand aber fühlt sich für die Frage des Bedarfs an Berufseinsteigern insgesamt verantwortlich.

    Im Vorwort fordert Dieter Rams lieber weniger Ausbildungsangebote, dafür aber qualitativ bessere. Sehr einverstanden, aber will er wirklich „neue Spitzeninstitute“? Das „neue europäische Bauhaus“ von Ursula von der Leyen als Teil des Green Deals zur Klimaneutralität des Kontinents meint wohl keine neuen Institutionen. Aus meiner Sicht wäre es ein großer Erfolg des Buches, wenn es zumindest in Deutschland die Auseinandersetzung in den Hochschulen, zwischen den Hochschulen sowie zwischen der Ausbildung und der Berufspraxis vorantreibt. Und darüber hinaus eine erste Orientierung für Designanfänger:innen gibt. Entwicklungspsychologisch gesehen ist es zwar für Zwanzigjährige nicht so leicht, sich vom Wunschbild des MEIN DESIGN zu lösen, die wunderbare Vielfalt und Komplexität der Disziplin zu umarmen und das interdisziplinäre UNSER DESIGN zu wollen. Die aktuelle Nachwuchsgeneration scheint dazu aber eher in der Lage zu sein als frühere Generationen.

    Dieses erste Weißbuch zur Designausbildung leistet einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Designlehre – und zur Weiterentwicklung der Profession, wenn der Anstoß genutzt wird. Die berechtigte Forderung aller Hearings nach lebenslanger Qualifikation im Design wird als Versprechen des „Lebenslangen Lernens“ gerade massiv von der Industrie als Ressource entdeckt, um besonders talentierte Leute zu binden. Konsequenterweise beginnen einige Konzerne bereits mit der Ausbildung, gerade auch im Design.

    Designing Design Education
    Weißbuch zur Zukunft der Designlehre

    deutsch / englisch
    312 Seiten, 400 Abbildungen
    21 x 26 cm Softcover mit Klappen

    ISBN: 978-3-89986-341-3
    avedition
    49 Euro

  • Gae Aulenti. Ein kreatives Universum

    Gae Aulenti. Ein kreatives Universum

    Copyright Fotos: Christiane Grathwohl

    Gae Aulenti. Ein kreatives Universum
    Vitra Design Museum bis 18. April 2021

    Eine Frau unter Männern. Als Architektin bewegte sich Gae Aulenti in einer Männerdomäne. Mit ihren ortsbezogenen Ideen und Entwürfen setzte sie sich durch. Gerade in der Neunutzung alter Gebäude leistete sie Hervorragendes. Berühmt wurde sie mit dem Umbau des Gare d’Orsay vom stillgelegten Bahnhof zum viel genutzten Museum. Für die Bewältigung dieser Mammutaufgabe erhielt sie die ranghöchste Auszeichnung Frankreichs, den Orden der Ehrenlegion. Sie selbst maß ihrer Rolle als Frau in einer Männerwelt keine große Beachtung bei. Ihr ging es um die Arbeit. Seit dem Studium am Mailänder Polytechnikum, das sie 1954 als eine von zwei Frauen neben 18 Männern des Jahrgangs abschloss, kannte sie es nicht anders. Bevor jedoch die großen Architekturaufträge kamen, machte die 1927 in der Nähe von Udine geborene Gaetana Aulenti sich einen Namen als Designerin. Darauf liegt der Akzent der aktuellen Ausstellung im Schaulager des Vitra Design Museums in Weil. 35 Objekte sind dort versammelt, präsentiert zwischen den Regalen der ständigen Sammlung. Obwohl räumlich ein wenig beengt und leider ohne eigene Begleitpublikation, ist die Ausstellung sehr erfreulich. Gilt es doch eine Produktdesignerin und Architektin kennen zu lernen, die hierzulande immer noch als Geheimtipp gilt.

    In den Objekten aus den frühen 60er Jahren wie dem Schaukelstuhl Sgarsul von 1962 orientiert sie sich noch an der Ästhetik des Art Deco. Auch die berühmte Pipistrello-Lampe von 1965 erinnert in ihrer Farbigkeit – schwarz und silber für den Lampenfuß, weiß für den Lampenschirm aus Glas – an die 20er Jahre. Diese nach der Fledermaus benannte Lampe wurde 1965/66 für den Schauraum der Firma Olivetti in Paris entwickelt. Sie ist ein absolutes Kultobjekt für Design-Fans und wird bis heute in Italien produziert. Sie machte Aulentis Namen über die Grenzen Italiens bekannt. Mit der Gartenmöbelserie Locus solus schwamm sie sich frei. Neben Liegestuhl und Beistelltisch, gehörten zu dem Programm eine Liege mit großen Rollen, Armlehnstühle, ein Esstisch und eine Sitzbank samt Hocker und Lampe. Alles angefertigt aus gebogenem und leuchten orange lackiertem Stahlrohr. Die Pop-Art lag in der Luft, die Swinging Sixties waren voll im Gang und Aulentis Designobjekte wurden zur Verkörperung des Zeitgeists. In dem berühmten Film Swimming Pool räkelten sich Romy Schneider, Jane Birkin und Alain Delon am Rand des tiefblauen Pools auf diesen poppigen Gartenmöbeln. Bei den farbigen Stoffbezügen ließ sich die Designerin tatsächlich von dem in Italien lebenden britischen Pop-Art Künstler Joe Tilson inspirieren. Ihre Möbel und Objekte waren nicht nur Aufträge, sie umgab sich mit ihnen auch in ihrem eigenen Lebensumfeld. In einer Wandprojektion werden Fotografien aus ihrer Mailänder Wohnung gezeigt, die klarmachen, wie eng verwoben ihr berufliches und privates Leben war. Einige Objekte haben eine Mehrfachfunktion. So kann die kugelförmige Lampe Giova gleichzeitig als Vase genutzt werden. In der unteren Glaskugel befindet sich die Glühbirne, die von oben eingepasste kleinere Halbkugel kann als Vase genutzt werden. Die Verbindung verschiedener Funktionen findet sich auch bei einem witzigen Objekt, das auf den ersten Blick wie ein kleines, erbsenfarbenes Kraftwerk aussieht. Seine Funktion erschließt sich bei genauer Betrachtung. Auch hier ist eine Vase mit einer Lampe liiert, hinzu kommt noch ein Aschenbecher. Der Name für diesen Hybrid von 1967 ist Rimorchiatore, was Schleppschiff bedeutet und somit die gedrungene, leicht bullige Form erklärt. Alle 35 ausgewählten Objekte tragen Namen und jedes ist für seine jeweilige Funktion entwickelt worden. Eine einheitliche Formsprache findet sich nicht. Von Stil hielt Aulenti nichts. Auch in den großen Architekturprojekten der 80er und 90er Jahre konzentrierte sie sich auf die Erfordernisse des jeweiligen Ortes. Alles hat eine eigene Geschichte und steht in einem anderen Zusammenhang. Darauf wollte sie eingehen und nicht eine Handschrift, eine Wiedererkennbarkeit entwickeln, wie es bei so vielen ihrer männlichen Kollegen der Fall ist. Auf die Architekturprojekte wird in dieser Ausstellung – wohl aus Platzgründen – nicht weiter eingegangen. Immerhin gibt eine Bildprojektion einen Eindruck von der Fülle und Vielfalt ihrer Aufträge, die sich vom Flughafengebäude, über Museumsumbauten, bis hin zu Privathäuser erstreckten. Als Gae Aulenti 2012 verstarb, war sie hochgeehrt und in der Fachwelt als eine der wenigen Architektinnen bekannt, die auf gleicher Ebene mit den berühmten männlichen Kollegen rangierte. Mailand, die Stadt, in der sie am längsten wirkte, nannte einen futuristischen Platz nach ihr: Piazza Gae Aulenti.

    Christiane Grathwohl

    Gae Aulenti. Ein kreatives Universum
    bis 18 April 2021

    Vitra Design Museum
    Charles-Eames-Str. 2
    D-79576 Weil am Rhein
    T +49.7621.702.3200
    F +49.7621.702.3590
    info@design-museum.de

    Öffnungszeiten täglich: 12 – 17 Uhr.
    Das Museum ist an allen Sonn- und Feiertagen geöffnet.
    Am 24. Dezember ist das Museum von 10 – 14 Uhr geöffnet.

  • Internationale Online-Konferenz zur Kreislaufwirtschaft

    Internationale Online-Konferenz zur Kreislaufwirtschaft

    IS4CE2020 Circular Economy Conference
    6.-7. Juli 2020

    Walter Stahel und das Organisationskomitee der International Society for Circular Economy (IS4CE) laden ein am 6. bis 7. Juli 2020 an der ersten Internationalen Online-Konferenz zur Kreislaufwirtschaft teilzunehmen.

    Der Zweck von IS4CE ist es, intellektuellen Rahmenbedingungen, Wissen, Nachweise und Erfahrungen zu synthetisieren und weiterzuentwickeln, um den Übergang von einer linearen, extraktiven Wirtschaft zu einer regenerativen und restaurativen Kreislaufwirtschaft zu untermauern. Die IS4CE ist ein Zusammenschluss der TU Delft, der University of Exeter und der schwedischen Stiftung für strategische Umweltforschung MISTRA.

    Auf der IS4CE2020 werden Forschungsbeiträge von Wissenschaftlern, Praktikern, der Zivilgesellschaft und politischen Entscheidungsträgern vorgestellt, die im Bereich der Kreislaufwirtschaft tätig sind.

    Die diesjährige Konferenz ist vollständig digital und wird aus unterschiedlichen Sitzungsformaten bestehen. Lediglich die interaktiven Breakout-Sitzungen rund um die Präsentation von Konferenzbeiträgen und Diskussionen werden in Bezug auf Teilnehmerzahlen und Vollmitgliedschaft eingeschränkt.

    Bitte registrieren Sie sich hier: https://www.is4ce.org/en/society-for-the-circular-economy

    Die persönliche Reflexion von Walter Stahel zum Thema der Konferenz finden Sie unter: https://www.is4ce.org/en/?option=com_content&view=article&id=27 

    Sehr interessant ist auch Walter Stahel im Podcast The Circularity Edge with Ken Alsten am 20. April 2020

  • Surrealismus im Arp Museum

    Surrealismus im Arp Museum

    Bilder aus der Ausstellung „Surrealistisches Rendezvous: Hans Arp und Salvador Dalí“, Fotos: Thomas Schmatolla

    Surrealistisches Rendezvous: Hans Arp und Salvador Dalí

    Hans Arps und Salvador Dalís Wege kreuzen sich 1929 in Paris, als Dalí in den Künstlerkreis der Surrealisten aufgenommen wird. Zu diesem Zeitpunkt ist Arp bereits etabliertes Mitglied der surrealistischen Bewegung um André Breton. Hans Arp, der sich zuvor als einer der führenden kreativen Köpfe des Dadaismus in verschiedensten Techniken des Zufalls und der Intuition ausprobierte, konnte sich schnell mit den Ideen des Surrealismus identifizieren. Seine Texte und Werke werden in den wichtigsten Publikationen des Surrealismus abgedruckt und Arps Reliefs für ihre objektsprachliche Neuartigkeit gefeiert.

    Gruppenporträt der Surrealisten 1933, von links oben: Tristan Tzara, Paul Éluard, Hans Arp, Yves Tanguy, René Crevel, André Breton, Salvador Dalí, Max Ernst, Man Ray, Copyright: Anna Riwkin-Brick

    Im Obergeschoss des Neubaus zeigt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck Werke der beiden Künstler Salvador Dalí und Hans Arp. Dem Team des Arp Museums ist es gelungen, hochkarätige Leihgaben aus ganz Europa, den USA und Japan zu bekommen. Zudem wird das Projekt von namhaften Partnern und Förderern unterstützt.

    In dialogischer Präsentation werden charakteristische Werkgruppen zu den Themen »Objekt«, »Schnurrbart«, »Körper«, »Genie«, »Form«, »Bureau surréaliste« und »Sprache« gebildet. Sie zeigen, wie sehr sich Dalí und Arp in ihrer Formensprache ähneln. Das kuratorische Konzept verfolgt zugleich die beiden Künstlerpersönlichkeiten, ihre Rolle im Surrealismus und die Überschneidung ihrer Biografien.

    „Salvador Dalí und Hans Arp. Die Geburt der Erinnerung“

    Die Ausstellung konnte bis zum 10. Januar 2021 verlängert werden.

    Parallel noch bis 13. September 2020 zu sehen: 

    „Jonas Burgert, Sinn frisst“

    Ausschnitte aus der Ausstellung „Jonas Burgert, Sinn frisst“, Fotos: Thomas Schmatolla

    Jonas Burgert, Sinn frisst
    Die Kunst von Jonas Burgert, geboren 1969, wird eine Gegenwartsposition von surreal anmutenden Welten voller Gegensätze und Rätsel genannt. Eigens für die große Einzelschau im Arp Museum Bahnhof Rolandseck schuf er neue monumentale Gemälde und raumgreifende Skulpturen.


    Wiedereröffnung des Arp Museums Bahnhof Rolandseck

    Gemäß der Ankündigung des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz hat das Arp Museum Bahnhof Rolandseck seit dem 12. Mai 2020 wieder geöffnet. Um den Besucher*innen einen sicheren Museumsbesuch zu garantieren und die Mitarbeiter*innen zu schützen, wurden folgende Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingeführt:
    • Begrenzung der Besucherzahlen (max. 200 Personen pro Stunde)
    • Besuch des Museums nur mit Mund-Nasen-Schutz erlaubt
    • Einführung eines Wegeleitsystems
    • Eingeschränkter Zugang in einzelne Räumlichkeiten (individuelle Aushänge)
    • Infoplakate zu Hygienemaßnahmen vor dem Eingang und an den Kassen
    • Infoplakate zu Abstandsregelungen an der Kasse und in den Ausstellungsräumen
    • Schutzvorrichtungen im Kassenbereich, an der Garderobe und im Museumsshop
    • Abstandswahrung vor der Kasse und im gesamten Gebäude von mind. 1,5 m
    • Kassenkräfte und Sicherheitspersonal mit Mund-Nasen-Schutz
    • Möglichst kontaktlose Bezahlung
    • Bereitstellen von Handdesinfektionsmitteln für die Besucher*innen
    • Reinigungsintervalle noch einmal erhöht
    • Fortwährende Desinfektion von Geländern, Klinken und Audio-Guides
    • Offenkundig erkrankte Besucher*innen (Erkältungssymptome) werden abgewiesen

    Arp Museum Bahnhof Rolandseck
    Hans-Arp-Allee 1
    53424 Remagen
    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr

  • Cross Culture 2020 IMPULS – NEUER TERMIN FOLGT!

    Cross Culture 2020 IMPULS – NEUER TERMIN FOLGT!

    DER IMPULS Cross Culture 2020
    Wir wollen die Welt verändern – als Unternehmen Haltung beziehen.

    Konsumenten haben ihre Erwartungshaltung gegenüber Marken geändert. Die Mehrheit sieht in diesen sogar die stärkeren Treiber für eine bessere Zukunft als in der Politik. Die Kaufentscheidung wird zur Wahlentscheidung für Marken, die den Werten der Konsumenten am besten entsprechen. Dieser Trend lässt sich weltweit beobachten und spiegelt die Kommunikationsveränderungen und die Machtverschiebung durch die Digitale Revolution von Unternehmen hin zu Konsumenten wieder. Heute sind sie aufgeklärter, informierter und anspruchsvoller als die vorheriger Generationen.

    VAUDE hat sich durch eigene Visionen und Antrieb, aber auch Glück im derzeit vorherrschenden Zeitgeist des Klimawandels, der Kritik am derzeitigen Wirtschaftssystem und dem Verlangen nach einer besseren Welt wiedergefunden. Die Botschaft von Nachhaltigkeit und Haltungsthemen hat sich über Jahre zu einem integralen Bestandteil der Kommunikation und Werbung entwickelt.
    Wie funktionieren die Entscheidungen und Abstimmungen bei VAUDE? Kann man diese Themen in allen Märkten des Unternehmens problemlos kommunizieren? Welche Rolle spielen Donald Trump und ein Klimastreik in der europaweiten Kommunikation? Manfred Meindl gibt einen Einblick in die Kommunikationsstrategie und -arbeit des Outdoorunternehmens.

    Der gebürtige Österreicher Manfred Meindl leitet seit 2010 das Internationale Marketing des für seine Umweltfreundlichkeit und soziales Engagement bekannten Outdoor-Ausrüsters VAUDE. Dabei ist er mit seinem Team für den kompletten digitalen Auftritt des Unternehmens, die Vermarktung und Kommunikation in den einzelnen internationalen Märkten sowie das Sponsoring verantwortlich. Vor seinem Wechsel in die Sportartikelbranche war er im Marketing im Online Gaming und in der Medizingüterindustrie tätig.

  • Cross Culture 2020 Gesprächsforum NUTZEN – NEUER TERMIN FOLGT!

    Cross Culture 2020 Gesprächsforum NUTZEN – NEUER TERMIN FOLGT!

    WELTWEIT PROFIS IM HANDWERK ANSPRECHEN

    Markenkommunikation bringt Menschen und Marken zusammen. Sie unterstützt die Erschließung neuer Märkte und Zielgruppen und trägt wesentlich dazu bei, Interessierte zu Käufern zu machen. Kommunikation überzeugt im Idealfall langfristig, so dass neue Kunden zu treuen Kunden werden. Und im Idealfall selbst Neukunden begeistern.
    Doch wie lässt sich Aufmerksamkeit und Bindung für eine Marke schaffen angesichts der sich verändernden Informationskanäle und -geschwindigkeit? Wie kann der Mehrwert von Marke und Produkten dabei nicht nur informativ und glaubhaft, sondern im besten Falle nutzbringend für Kunden kommuniziert werden, auch wenn sich Zielmärkte kulturell erheblich unterscheiden?

    Welchen Mehrwert die Einbindung von Kunden dabei nicht nur in die Kommunikation, sondern auch in der Entwicklung von Produkten und Services stiftet, diskutiert der Forumsbeitrag am Beispiel der Festool GmbH, einem international wachsenden Unternehmen der Elektrowerkzeugbranche.

    Stefanie Kaufhold ist als Head of Brand and Market Communication verantwortlich für das internationale Brand Management sowie die Marken- und Produktkommunikation der Festool GmbH.
    Nach ihrem Diplom als Kommunikationsdesignerin an der University of Applied Sciences in Darmstadt führte sie 1997 ihr beruflicher Weg zu MetaDesign, wo sie die Markenauftritte von Unternehmen verschiedenster Größen und Branchen mitverantwortete, darunter VW, OTTO, Heidelberger Druckmaschinen und Ernst Klett Verlage. Nach langjähriger selbständiger Tätigkeit in ihrem Büro für Visuelle Kommunikation übernahm sie 2011 die Leitung des Global Corporate Branding bei der Voith GmbH. 2018 wechselte sie zur Festool GmbH, einem der führenden Elektrowerkzeughersteller für professionelle Handwerker. Gegründet 1925, ist Festool heute als Familienunternehmen mit circa 3.000 Mitarbeitern in über 50 Ländern aktiv.

    Konferenz
    CROSS CULTURE / NUTZEN, WERTE, KOOPERATION
    Forum für Markenführung und Kommunikation auf internationalen Märkten
    Design Center Baden-Württemberg, Haus der Wirtschaft Stuttgart

    DIE VERANSTALTUNG MUSSTE VERSCHOBEN WERDEN! NEUER TERMIN FOLGT….

    Zielgruppen
    Das Forum richtet sich an international tätige Unternehmen und Fachleute aus Marketing, Vertrieb, Markenkommunikation, Designmanagement, Industriedesign, Kommunikations-design, Corporate Social Responsibility, Entwicklung und Produktmanagement.
    Teilnahmegebühr inklusive Unterlagen und Verpflegung: 90 Euro, Studierende 40 Euro

    Ort / Veranstalter
    Design Center Baden-Württemberg
    Regierungspräsidium Stuttgart
    Haus der Wirtschaft Baden-Württemberg
    Willi-Bleicher-Straße 19
    70174 Stuttgart
    design@rps.bwl.de