1. Respekt: Anerkennung der Leistung
Auf Platz eins der Nennungen zum Thema Respekt steht mit fast 80 Prozent der respektvolle Umgang unter Kommilitonen, Kollegen und in der Ausbildungssituation bei der Beurteilung beziehungsweise der Kritik durch die Lehrenden. Zwischen den Zeilen sind viele Verletzungen zu spüren und die Suche nach einer persönlichen Haltung, damit umzugehen. Auch der Wunsch selber Achtung vor der Leistung des anderen zu üben, auch wenn dessen Arbeit nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Diese Absicht scheint mit der Hoffnung verknüpft, dadurch den Anspruch auf respektvollen Umgang mit der eignen Person zu erlangen, frei nach dem Kants kategorischem Imperativ.
„… ehrliche Aufmerksamkeit gegenüber den Vorschlägen der Kollegen und Kunden, sowie die Wertschätzung der eingebrachten Beiträge und Arbeiten.“
„Respekt im Design bedeutet, etwas anzuerkennen und wertzuschätzen, auch wenn es nicht aus eigener Hand kommt. Unabhängig von der Meinung, die man zu dem Produkt bezieht.“
„Im besten Falle sollte Respekt im Design eine konstruktive Kritik und eine Reflexion zur Folge haben.“
„… habe ich Bazon Brock ( ) in Berlin zum Thema „Persönlichkeit und Haltung im Design“ sinngemäß sagen hören: >Nur wer andere Gestalter und ihre Arbeiten würdigen kann, hat auch selber Würde.<„
„Respekt gegenüber den Ideen anderer. Ein Zuhören und Aufnehmen und Weiterdenken, auch wenn es vielleicht nicht die eigene Idee war, die man gemeinsam vorantreibt.“
„Respekt im Design sollte sich auch in ausgesprochenem Lob und der Vergütung von Designleistungen widerspiegeln.“
2. Respekt: Würde von Menschen und Rezipienten
Nach dem Respekt unter Kollegen folgt mit knapp 70 Prozent der Nennungen die Achtung der Würde der Mitmenschen beziehungsweise der Zielgruppen von Design. Gut, dass diese eine so hohe Aufmerksamkeit erhalten. Hierbei wird Menschenwürde bis zur aktuellen Definition von Nachhaltigkeit im Sinne sozialer Verträglichkeit interpretiert.
„Es geht in erster Linie darum, ein auf dem Verbraucher abgestimmtes Produkt zu entwerfen. Der eigene Geltungsdrang ist in solchen Momenten hinten anzustellen.“
„…. über ein gutes Allgemeinwissen verfügen sollte, um zum Beispiel keinen ethischen oder kulturellen Fauxpas zu begehen und somit Menschen zu verletzen.“
„…drückt sich der Respekt in verschiedenen Kulturkreisen und gesellschaftlichen Schichten unterschiedlich aus. Wenngleich es eine Art universellen Respekt gibt, unter anderem festgehalten in ( ) Präambeln der Vereinten Nationen oder auch in den Wertekanons verschiedener Religionen und des Humanismus.“
Beispiel Schokoladenindustrie + Kakaoanbau: „Produziert man Werbung, die zum Kauf von Produkten anregt, die durch Kinderarbeit entstanden sind, so halte ich dies für respektlos den Kindern gegenüber.“
3. Respekt: Achtung des Auftraggebers
40 Prozent sind sich bewusst, dass der respektvolle Umgang mit Auftraggebern von Bedeutung ist und wollen deren Vorstellungen und Erwartungen ernstnehmen. Dies ist natürlich eine elementare Voraussetzung, um die Anerkennung der eigenen Leistung einfordern zu können. Die Fähigkeit zum Perspektivwechsel ist gerade für künftige Selbständige, die mehr sein wollen als reine Dienstleister, unerlässlich. Sie müssen eine Position beziehen zu ihrem kreativen Wollen und dem Verständnis der Aufgabe. Immer wieder klagen Auftraggeber in der Praxis über den Mangel bei Kreativen, zuhören zu können, partnerschaftlich zu denken und nicht nur die eigenen Vorstellungen zu verfolgen.
„Respekt im Design bedeutet für mich, jeder Aufgabe vorurteilsfrei und offen zu begegnen. Dies bedeutet, sich komplett auf den Kunden und/oder die Aufgabenstellung einzulassen. Zuzuhören, zu erforschen, zu verstehen und gewissenhaft zu beraten.“
„Aufgaben und Wünsche des Kunden zu respektieren und sich in diese hineinzudenken. … Den Kunden nicht in eine Schublade zu stecken und los geht’s mit dem munteren Designen.“
4. Respekt: Selbstvertrauen
Über 30 Prozent sehen in dem Respekt für die eigene Person die Voraussetzung für den respektvollen Umgang mit anderen. Dazu gehören Selbstachtung und die Achtung der eigenen Werte. Es gilt das eigene Gesicht zu wahren und sich zum Beispiel nicht unter Wert zu „verkaufen“. Auch der Mut, Anerkennung und Respekt in Form von angemessener Bezahlung einzufordern.
„Grundlage für all das ist, wie so oft, Respekt vor sich selbst zu haben. Vor seinen Bedürfnissen, vor seiner Einstellung, seinen Werten.“
„Die Branche nicht durch Dumping-Preise runterziehen.“
5. Respekt: Umgang mit Ressourcen
Für nur knapp 30 Prozent der Teilnehmer ist der respektvolle Umgang mit Ressourcen nennenswert. Die Diskussion der letzten Jahre um das Thema Nachhaltigkeit hat aus meiner Sicht dazu geführt, dass inzwischen Aspekte wie Arbeitsbedingungen stärker ins Bewusstsein gerückt sind und daher bei den Nennungen unter Punkt 2. Respekt: Würde von Menschen eine Rolle spielen. Es wäre aber wünschenswert, wenn künftige Designer zusätzlich eine klare Vorstellung von ihrer Verantwortung im Umgang mit Ressourcen präsent ist.
„Der Respekt im Design lässt sich selbst bis zur Auswahl der Materialien führen. Die Schonung der Ressourcen spielt hier eine wichtige Rolle. Ein gutes Design lässt sich auch oft auch ohne aufwändige Produktionsverfahren realisieren.“
6. Respekt: Bewusstsein für die Macht von Design
Nur 20 Prozent von 80 Studierenden haben Respekt vor der Macht von Design, Menschen in ihrem Verhalten zu beeinflussen. Ist den anderen 80 Prozent der Einfluss von Gestaltung zu selbstverständlich, um ihn zu benennen? Oder trauen sie ihrer Profession keinen Einfluss zu?
„… sollte man die eigene Naivität ablegen und sich damit auseinandersetzen welche „Macht“ visuelle Kommunikation haben kann. Man sollte sich der Verantwortung, die man hat stellen und dieser Macht mit einer gewissen Ehrfurcht gegenübertreten – mit einem gesunden Maß an Respekt.“
„Design entsteht, um konsumiert zu werden und hat somit einen nicht zu verkennenden Einfluss auf den Menschen und die Gesellschaft.“
„Zudem ist es unerlässlich, respektvoll mit der gesellschaftlichen Verantwortung umzugehen, die wir Kommunikationsdesigner als potentielle Meinungsvermittler und –Beeinflusser zwangsläufig haben. Design hat großes Veränderungspotential und erreicht potentiell Millionen Menschen weltweit. Mit dieser Macht und Verantwortung gilt es respektvoll umzugehen.“
7. Respekt: Anerkennung der Teamleistung
10 Prozent der Studierenden stellen fest und erkennen an, dass Teams gemeinsam mehr leisten und erreichen können als der Einzelne. Für eine Berufsgruppe, die überwiegend im Team arbeitet, ein sehr geringes Bewusstsein für die Bedeutung der Leistung in der Gruppe. Aber in dieser Lebens- und Ausbildungsphase der Selbstdefinition noch nachvollziehbar.
„Durch das Verständnis gegenüber dem anderen Design kann man an Erfahrung gewinnen und mit dem respektvollen Umgang wächst der Ideenpool, von welchem letztlich alle gestaltenden Personen profitieren können.“
„Der Austausch von Ansichten und Meinungen ist im Kreativprozess essentiell. Besonders eine Fachbereichs-übergreifende Zusammenarbeit im Designteam fördert ein gutes Ergebnis.“