Otto Piene, Pirouette Messing stehend, 2012 – 2014, 210 x 100 x 100 cm, Messing Edelstahl, Licht und Motor, Ex II/II, Abbildung©Samuelis Baumgarte

Lichtballett
Otto Piene in der Kölner Galerie Martina Kaiser
25.1. bis 16.3.2019

Bereits zum zweiten Mal zeigt die Galerie Martina Kaiser Werke des Zero-Künstlers Otto Piene, einem der großen Avantgardisten der deutschen Nachkriegskunst in einer Einzelausstellung. Utopist, Philosoph, Wissenschaftler und Friedensbotschafter: Otto Piene (1928-2014) gehört zu den vielseitigsten und visionärsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts und hat als Wegbereiter der Licht- und Feuerkunst sowie der Sky Art Weltruhm erlangt.

Mit Lichtballett zeigt die Galerie einen sorgsam kuratierten Ausschnitt von Otto Pienes lichtkinetischer Kunst, darunter den ikonischen Messingwürfel Pirouette, das Kupferwerk Copper Play sowie Licht- und Keramikraster aus seinem letzten Werkzyklus. Daneben sind auch ausgewählte Keramiken, wie die Luftbilder und Lüster-Arbeiten zu sehen.

Bereits in den 1950er Jahren zeichnete sich ab, dass Otto Piene keine herkömmliche Künstlerkarriere durchlaufen würde. Er brach konsequent mit den Statuten des bis dahin geltenden Kunstkanons; statt des klassischen Tafelbildes oder der rein statischen Skulptur proklamierte der gebürtige Westfale eine Kunst, die sich an der Kinetik sowie den Elementen und den Gesetzen der Natur orientieren und diese gezielt mit einbinden sollte. Sein Ansinnen, der Kunst einen sprichwörtlichen Nullpunkt aufzuerlegen und damit einen symbolischen Neuanfang zu markieren, gipfelte 1957 in der Gründung der ZERO-Bewegung, die er zusammen mit seinem Künstlerkollegen Heinz Mack anstieß.

Piene fokussierte sich in seinen Werken vor allem auf Licht, das er wahlweise in Rasterbildern sowie motorbetriebenen Objekten und Installationen „tanzen“ ließ – und es damit vom Himmel entkoppelte und in den White Cube überführte. Seine zunächst hand-, dann motorbetriebenen Lichtballette weitete er zu ganzen Lichträumen aus, wo sublime Illuminationseffekte und rhythmische Schwingungen eine Transformation des geschlossenen Raums bewirken. „Wir können gar nicht genug Licht schaffen, denn unsere Welt ist dunkel und zulange dunkel gewesen. Wir brauchen das Licht, es ist deshalb auch ein wesentlicher Teil meiner Arbeit.“, so Otto Piene.

Doch genauso ging er den umgekehrten Weg, vom inneren in den äußeren Raum und konzipierte bahnbrechende Maltechniken und gigantische Plastiken, die als „Kunst für den Luftraum“ nichts weniger als die Eroberung des Himmels anstrebten (Sky Art Beispiele im Video). Was in einem anmutigen, äußerst poetischen Spiel aus Licht, Luft, Erde und Farbe gipfelte.

Die Virtuosität und Einzigartigkeit von Pienes Arbeiten ist nicht zuletzt seiner wissenschaftlichen Expertise geschuldet. So war er neben seiner Ausbildung an den Kunstakademien von München und Düsseldorf und seinem Philosophiestudium an der Universität Köln auch Resident Fellow und später Direktor am US-amerikanischen Center for Advanced Visual Studies, einem künstlerischen Forschungszentrum mit Anbindung an das weltberühmte MIT in Boston. Dort trieb er die Verschmelzung künstlerischer und technischer Innovationen voran, die sich dann in seinen Licht-Objekten, der Sky Art und den Feuerbildern wiederfinden sollten.
Yorca Schmidt-Junker

Otto Piene
Lichtballett
25.1. bis 16.3. 2019
Martina Kaiser Cologne Contemporary Art
Bismarckstraße 50
50672 Köln
Di – Fr 15.00 – 20.00 Uhr
Sa 15.00 – 18.00 Uhr
www.GalerieMartinaKaiser.de


Werke von Otto Piene ab August in Düsseldorf

Ab Herbst sind dann vom 22.8. 2019 bis zum 5.1.2020 Werke von Otto Piene aus der Sammlung Kemp im Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen. In der Sammlung Kemp befinden sich 13 teils großformatige Gemälde, eine Lichtplastik und Arbeiten auf Papier, anhand derer sich Pienes Werk zwischen den 1960er-Jahren bis in die frühen 2000er-Jahre darstellen lässt. Die Ausstellung legt einen Schwerpunkt auf die Feuerbilder des Künstlers, mit denen er sein Interesse am Licht als künstlerisches Medium besonders überzeugend zum Ausdruck brachte.

Otto Piene. Werke aus der Sammlung Kemp
22.8. – 5.1.2020
KUNSTPALAST
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
www.kunstpalast.de
Di–So 11–18 Uhr
Do 11–21 Uhr
Mo geschlossen