Konferenz: Bericht und Resümee

4. Konferenz zu Design und Markenkommunikation für internationale Märkte mit Fokus auf den BRIC-Staaten am 13. März 2014 im Design Center Stuttgart

„Wir warten gespannt auf die nächste Veranstaltung!“ so ein Feedback aus dem Kreis der Konferenzteilnehmer, von denen viele bereits zum wiederholten Male die Stuttgarter Veranstaltung besuchten. Die Teilnehmer kamen zu einem Teil aus dem Produzierenden Gewerbe, von bekannten Global Playern oder Hidden Champions und zum anderen aus renommierten Design-Agenturen und anderen Dienstleistungsunternehmen. Knapp 40 % waren Selbständige und ca. 60% Angestellte aus mittleren und großen Unternehmen – die ideale Mischung für einen Austausch zwischen potentiellen Entwicklungs-partnern aus Marketing, Vertrieb, Markenkommunikation, Design Management, Industriedesign, Entwicklung und Produktmanagement.   

Warum 2014 der Fokus auf BRIC?
Als Chefvolkswirt der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs sagte Jim O’Neill vor 13 Jahren den ökonomischen Aufstieg der sogenannten Schwellenländer voraus und prägte dabei den Begriff BRIC-Staaten für die Wachstumsmärkte Brasilien, Russland, Indien und China. Die damaligen Erwartungen wurden bestätigt und teilweise auch übertroffen: Im Ranking der größten Volkwirtschaften liegt China heute auf Platz 2, Brasilien auf 7, Russland auf dem 9. und Indien auf dem 10. Platz. 40% der Weltbevölkerung, 3 Milliarden Menschen leben in diesen Ländern und werden einen weiter wachsenden Einfluss auf die Weltwirtschaft und damit auch auf die deutsche Wirtschaft haben. Unternehmen, die sich auf diesen Märkten etablieren wollen, stehen vor der Herausforderung, ihre Produkte und ihre Kommunikation an die Kundenbedürfnisse in diesen Ländern anzupassen. Damit wachsen auch die Anforderungen an Produktmanager, Industriedesigner, Markenexperten und andere, ihre Kompetenzen für diese Kunden zu erweitern.

Seit rund 30 Jahren bereits baut das Land Baden-Württemberg als exportstarkes Bundesland die Kontakte zu diesen Ländern kontinuierlich aus, betonte Ministerialdirektor Rolf Schuhmacher vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft des Landes Baden-Württemberg in seiner Begrüßung der Konferenzteilnehmer. So ist China heute der viertwichtigste Absatzmarkt für die heimischen Unternehmen. Ansprechpartner für Außenwirtschaftsförderung ist die landeseigene Gesellschaft Baden-Württemberg International: www.bw-i.de/ und weltweit vor Ort unter anderem die German Centres: www.germancentre.de/

 

Kulturelle  Hintergründe

Nicht nur sind in allen BRIC-Staaten heute deutsche Automobile begehrte Statussymbole, auch gemeinsame Wurzeln der Designgeschichte prägen die Folie, vor der deutsche Unternehmen in diesen Ländern agieren. In der Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit ging von der Hochschule für Gestaltung, der HfG Ulm, eine Welle internationaler Design-Beziehungen rund um den Erdball aus.

»ulm« – und die Folgen bis heute 

Im Eingangsvortrag der Konferenz zeigte Dr. René Spitz die Wirkungen des deutschen Designs, insbesondere die Einflüsse der HfG Ulm, für die BRIC-Staaten auf. Dabei ging er auf den Markenkern ein, den deutsches Design im Ausland immer noch hat: langlebig, gebrauchstüchtig, zuverlässig, praktisch, verlässlich, das Leben erleichternd und bereichernd, vielfältig – die Individualität fördernd, nicht beschneidend.

In Brasilien und Indien sind die Einflüsse der HfG Ulm ganz eindeutig nachweisbar. Langjährige HfG Studenten aus diesen Ländern gingen nach ihrer Ausbildung in ihre Heimatländer zurück, bauten sich dort erfolgreich Existenzen auf und schoben die Design-Ausbildung nach Ulmer Vorbild an.

Anders die Situation in Russland, das durch den eisernen Vorhang von den Entwicklungen westlicher Prägung abgeschnitten war und allenfalls via DDR einen Eindruck vom westdeutschen Design erhielt.

In China gab es ebenfalls keine Ulm-Schüler, die sich in der Ausbildung hätten engagieren können. Dennoch sind deutsches Design und deutsche Produkte, wie die Braun-Entwürfe von Dieter Rams, in den Köpfen chinesischer Design-Studenten präsent. Und von diesen gibt es immerhin eine Million in China.

Spitz kommt zu folgendem Fazit:

Unterm Strich bleibt eine gemeinsame Konnotation, eine kulturelle Grundierung für Design aus Deutschland. Design aus Deutschland, das ist in erster Linie nicht das oberflächliche „Aufhübschen“ für raschen Absatzerfolg! Design aus Deutschland verspricht ein besseres Leben. Eine bessere Zukunft, die keine Utopie ist, sondern in greifbarer Nähe!

Wenn man es auf den Kern herunterbricht, dann ist Design aus Deutschland: Verlässlich. Vernünftig. Verantwortungsvoll. Das bedeutet: Design aus Deutschland gilt nicht nur als Träger von ökonomischem Erfolg, sondern auch von Verantwortung. Und diese Erwartung, dass man es mit einem verantwortungsvollen Gegenüber zu tun hat, ist doch nicht die schlechteste Voraussetzung für langanhaltend erfolgreiche Geschäftsbeziehungen.

>> Das PDF der Stuttgarter Folien von Dr. René Spitz sowie seinen Vortragstext finden Sie hier.

Bis 23. November 2014 ist in Hamburg die Ausstellung „Typisch chinesisch. Typisch deutsch“, kuratiert u.a. von Dr. Spitz, zu sehen >> www.voelkerkundemuseum.com/612-0-Unsichtbare-Dinge---Typisch-chinesisch-Typisch-deutsch.html

 

Was Marken-Polizisten von Marken-DJs lernen können. Oder: die Zukunft ist schneller, flexibler, jünger – wie Brasilien. 

Die Markenkommunikation muss die gesellschaftlichen und kulturellen Besonderheiten der jeweiligen Märkte berücksichtigen und dabei das Gesamtbild der Marken im Blick behalten. Andreas Rotzler von Interbrand offerierte einen Überlebens-Guide für deutsche Marken in den BRIC-Staaten.

Ritualisierte Konsistenz und formale Gleichschaltung in der Markenführung müssen aus Rotzlers Sicht durch klare Regeln, starke Ideen und Co-Kreation ersetzt werden. Nur so können die großen Herausforderungen der Zukunft gelöst werden. Unternehmen müssen sich unabhängig machen von der Uniformität der Welt der Marken und durch Co-Kreation mit neuen Zielgruppen und mit anderen Marken neue Märkte erschließen. Dies gilt insbesondere für die BRIC-Staaten. Die Zukunft in diesen Ländern ist schneller, flexibler und jünger – wie unter anderem das Beispiel Brasilien zeigt. In jedem Fall ist entscheidend für den Erfolg, wie die Zusammenarbeit mit Kollegen, Zulieferern, Kooperationspartnern und Kunden in unterschiedlichen Kulturen gestaltet wird. Rotzler plädiert für mehr Freiheiten: die Marke gibt den Takt vor, die Mitspieler können sich frei bewegen.

>> Dieses Verständnis von Markenführung erläutert Andreas Rotzler auch in einem Video: https://vimeo.com/80354487

 

B2B Branding: Strategische Erfolgsfaktoren der Marke ABB

Michael Pietig, Head of Global Branding & Advertising ABB Asea Brown Boveri Ltd, gab Einblicke in das Markenmanagement und die strategischen Erfolgsfaktoren der globalen Marke ABB. Wie kann ein Unternehmen mit 5 globalen Divisionen (Power Products, Power Systems, Discrete Automation and Motion, Low Voltage Products, Process Automation) und 150.000 Mitarbeitern, das in rund 100 Ländern mit hunderttausend Produkten präsent ist, eine Marke aufbauen und weltweit implementierten?

Marke positionieren
Eine Marke strategisch sowohl im B2C wie im B2B erfolgreich im Wettbewerb zu platzieren, bedeutet im ersten Schritt, auf den Stärken des Unternehmens aufzubauen und die Wahrnehmung in der Werbung, beim Kunden, bei den Mitarbeitern und im Wettbewerbsumfeld zu analysieren. In globalen Kommunikationsworkshops mit Teilnehmern aus den Divisionen und Ländern wurden 3 Szenarien priorisiert und anschließend mit ausgewählten Kunden bewertet. Die Marke ABB steht für: “Power and productivity for a better world”. Mit dieser Vision einher geht die kreative Leitidee: Managing Complexity.

Erscheinungsbild definieren
Sechs Gestaltungselemente definieren den Markenauftritt. Dazu gehören neben Layout-Leitlinien, Farbwahl, Schrift, Lichtanmutung und Logo, eine eigene Bildwelt und grafische Darstellungen, die Komplexität transparent und damit verständlich, handhabbar transportieren.

Erlebnisse schaffen und Geschichten erzählen
Die Botschaft der Marke wird in Bereichen des Unternehmens und in allen Medien kommuniziert. Die digitale Umsetzung schafft dabei neue interaktive Zugänge und bindet Interessenten über Umfragen und Online-Debatten auf der Homepage, in den Social Media und über interaktive Online-Banner bei ausgewählten Medienpartnern ein. Die permanente Aufforderung zum Dialog über eine bessere Welt spiegelt sich auch in der verbalen Ansprache wider.        

Mit seinen Ausführungen zur global einheitlichen Entwicklung der Marke widersprach Michael Pietig‘s Beitrag scheinbar dem Statement seines Vorredners Rotzler zur größeren Freiheit in der Markenführung in Zeiten jüngerer, schnellerer und flexibler Märkte in unterschiedlichen Regionen der Welt. Voraussetzung für den selbstständigen Umgang mit der Marke ist allerdings aus beider Sicht, - wie auch die abschließende Diskussion zeigte -, dass erst eine tragfähige Basis mit klarem Markenbild geschaffen werden muss, um im nächsten Schritt Mitarbeitern und Partnern Freiräume für regionale Bezüge öffnen zu können.

 

Industriedesign für Investitionsgüter in den BRIC-Staaten 

Paul Budde von Budde Industrie Design demonstrierte an Beispielen von Straßenbaumaschinen der Firma WIRTGEN und landwirtschaftlichen Fahrzeugen von CLAAS, wie er deren Industriedesign auf die Bedingungen in den Schwellenländer anpasst und doch den Spagat schafft, das Markenversprechen seiner deutschen Auftraggeber zu transportieren.

Und mit welchen Besonderheiten auf diesen Märkten zu rechnen und zu kämpfen ist:

So werden in Russland überwiegend fertige Teile montiert, da die dortige Produktion nicht den Qualitätsanforderungen entspricht. Die in Russland montierten CLAAS Maschinen schafften es ins Ranking der 100 besten russischen Maschinen. Die Produkte der russischen Wettbewerber werden seit der Öffnung der Grenzen mit neuem Design aufgefrischt und durch Zölle vor der Konkurrenz geschützt.

Indien bietet ein großes Potential zur Leistungssteigerung in der Erntetechnik. Allerdings werden durch falschen Umgang und Lagerung Produktionssteigerungen oft wieder zunichte gemacht. Die Folgen jeder Innovation müssen also mitgedacht werden.    

Für China zeigte Budde an den Produkten seiner beiden Auftraggeber und anderer westlicher Marken viele Beispiele von formalen Übernahmen bis zu sklavischen Kopien. Auch die Probleme der Abstimmung zwischen deutscher Entwicklung und chinesischer Fertigung sprach er an. Aber auch die Tatsache, dass chinesische Unternehmen zunehmend in Design investieren.  

>> PDF des Stuttgarter Vortrags von Paul Budde

 

Die Panels

Panel Brasilien: O Jeitinho Brasileiro – The Brazilian Way

Im Panel Brasilien nahm Angela Carvahlo die Teilnehmer an die Hand, um ihnen den“ jeitinho brasileiro“ näherzubringen: die legendäre Fähigkeit der Brasilianer, sich in allen Lebenslagen mit viel Improvisationstalent und unerschütterlichem Optimismus durchzuschlagen.

Brasilien hat eine koloniale Vergangenheit, die Kultur wurde durch indigene Völker geprägt. Es ist ein junges Volk mit uralten Wurzeln, ein Land, das sich noch im Aufbau befindet und nicht mit europäischen Maßstäben gemessen werden kann.

So begann die eigentliche Industrialisierung erst im 20. Jahrhundert. Und das brasilianische Industriedesign kann sich noch nicht auf so viele eingespielte Prozesse stützen wie dies in Europa der Fall ist.

Man sollte wissen, dass demokratische Strukturen sich erst nach der Militärdiktatur von 1964-1985 gebildet haben. „Heute sind wir eine moderne und wachsende Nation, ein sozialpolitisches Labor.“ so Angela Carvahlo.

Der brasilianische Markt
Das heutige Wirtschaftswachstum liegt mit 2% noch in einem guten Bereich; unter den G20-Staaten nimmt Brasilien in Bezug auf das Bruttonational-Einkommen (BNE) den 7. Platz ein. 200 Millionen Einwohner stellen einen riesigen Absatzmarkt dar. 

Zur brasilianischen Unterschicht und der unteren Mittelschicht gehören 155 Millionen  Menschen. Würde man diese als ein eigenständiges Land betrachten, so nähme dieses Platz achtzehn im Ranking der Nationen, die am meisten in der Welt konsumieren, ein –  noch vor der Schweiz und den Niederlanden.

Zwischen 2012 und 2013 wuchs das durchschnittliche Familieneinkommen der 25% ärmsten Brasilianer um 45%. Circa 58% der Smartphones sind im Besitz der ärmeren Gesellschaftsschichten. Auf der anderen Seite ist dies der Anteil der Bevölkerung, der keinen Zugang zu Leitungswasser und sanitären Anlagen hat.

Laut einer Studie wird der Markt der oberen Schichten zwischen 2013 und 2017 circa 25% wachsen. Mit einem Potenzial von 29 Millionen Menschen eine hervorragende Perspektive für den Luxusmarkt in Brasilien. 2009 eröffneten die internationalen  Marken wie Hermès, Missoni, Christian Louboutin, Bentley, Lamborghini und Bugatti  ihr Geschäft in Brasilien und investierten damit gemeinsam 830 Millionen US-Dollar in das Land.

Design in Brasilien
Einflüsse der Ulmer Schule sind sicher noch spürbar. Lange gab es ein Spannungsfeld zwischen dem Funktionalismus als Produktphilosophie und dem ästhetischen Erbe der ethnischen Kulturen. Das brasilianische Design musste sich selbst finden, ist heute stark professionalisiert und findet internationale Anerkennung, was sich auch in Preisen und Auszeichnungen spiegelt. Allein in Rio de Janeiro existieren 11 Design-Schulen und 500 Design-Büros, einige davon mit über 100 Mitarbeitern. Projekte Carvahlos befassen sich mit der Kultur des indigenen Erbes, mit Nachhaltigkeit und dem Recycling von nicht mehr benutzten Materialien. 

Deutsche Präsenz in Brasilien
Rund 1.200 deutsche Unternehmen gibt es in Brasilien und Deutschland ist der drittgrößte Investor in diesem Land. Der Rat an alle, die sich auf diesem Markt bewegen wollen: Setzen Sie sich mit der brasilianischen Mentalität auseinander, bereiten Sie sich mit Workshops und vorbereitenden Seminaren auf den Markeintritt vor.


Panel Russland 

Im Panel Russland konnten die Teilnehmer einen Blick in die „russische Seele“, die Befindlichkeit der Menschen und Kunden werfen. Die Bereitschaft, Geld auszugeben ist im Großen und Kleinen größer als in Deutschland. Gesellschaftlich bewegt man sich im Rahmen traditioneller Rollenbilder, zeigt Nationalstolz und privat Besitzerstolz.

Die russische Wirtschaft lebt nach wie vor überwiegend vom Export von Energie, Holz und Bodenschätzen und muss in praktisch allen Bereichen importieren: Investitionsgüter, Luxusgüter, moderne Konsumgüter, Convenience Lebensmittel, Autos, Medizintechnik.

Entsprechend vielfältig sind die Arbeitsfelder von Gestaltern für den russischen Markt. Der russische Auftraggeber zeichnet sich laut Stefan Lippert durch Risikobereitschaft und schnelle, emotionale Entscheidungen aus, verfügt über eine internationale Ausbildung und ein gutes Netzwerk, fordert Gefolgschaft und ignoriert gern Zeit- und Budgetpläne. Womit kann man bei russischen Geschäftspartnern punkten? Gefragt sind grundsätzlich deutsche Tugenden; mit Über-Performanz und Standhaftigkeit kann man Freiheiten, Vertrauens-vorschuss in der Arbeit und auch Freunde gewinnen. Die kulturelle Nähe zeigt sich im gegenseitigen Verständnis des jeweiligen Humors. So sieht Lippert, dessen Designagentur international unter anderem  auch in China Erfahrungen machte, es als einfacher an, mit Russen ein direktes Verständnis zu entwickeln.

Ekaterina Donis und Dimitrij Haak, Studierende der Folkwang Universität der Künste in Essen, illustrierten mit aussagestarken Fotos den Alltag der Menschen mit russischer Seele. Unter anderem lebt noch die Vergangenheit der untergegangenen Sowjetunion; die Familie steht als Bollwerk gegen bedrohliche Veränderungen zur Verfügung und der kreative Umgang mit Gesetzen und Regeln erinnert an den von Angela Carvahlo beschriebenen „Brasilianischen Weg“.

>> Hier die Fotogalerie von Ekaterina Donis und Dimitrij Haak


Panel Indien

Poonam Choudhry verwies auf die große Vielfalt an Sprachen, Religionen und Ethnien in ihrer Heimat und gab Tipps zum Umgang mit Indern. Wie schon in Bezug auf die anderen BRIC-Staaten betont wurde, ist auch in Indien die Beziehungsebene rund um die Familie von besonderer Bedeutung und auch der deutsche Geschäftspartner sollte auf diese Ebene eingehen.

Längst ist Indien ein stetig wachsender Markt für Designprodukte und -leistungen. Die kaufkräftige und gut ausgebildete Mittelschicht soll sich nach Prognosen aller wichtigen Institute in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, was einem Bevölkerungsanteil von 40% entspräche - ein enormer Wachstumsmarkt für qualitativ hochwertige Produkte, auch unter nachhaltigen Aspekten. Es gilt aber Produkte anzubieten, die sich der gegebenen Infrastruktur anpassen können und so zum Beispiel Strom- oder Wasserausfall berücksichtigen: „Frugal Products“ – genügsame Produkte.

>> gekürztes PDF des Stuttgarter Vortrags von Poonam Choudhry


Panel China

Rui Zhong will als in Deutschland ausgebildete Industriedesignerin die Brücke schlagen zwischen deutschen Designagenturen und chinesischen Auftraggebern. Zusammen mit staatlichen Partnern in Haining in der Provinz Zhejiang, circa 100 Kilometer südwestlich von Shanghai, baut sie das CGDC Chinese German Design Center in einer ehemaligen Seidenfabrik auf. Das CGDC wird Geschäftskontakte vermitteln und  begleiten und lädt deutsche Designer vom 18. bis 23. September 2014 zur Chinese German Design Week mit Messe und Besichtigungen von Unternehmen ein.

Chinesische Unternehmen richten sich neu aus. Bis vor einigen Jahren haben sie häufig europäische Produkte kopiert, jedoch bekommen diese Firmen zunehmend Probleme beim Absatz. Unternehmen, die auf eigene Marken und eigene Produkte gesetzt haben, sind inzwischen besser aufgestellt und haben viele Designbüros und Designer gefördert.

Zhong berichtete, dass chinesische Auftraggeber immer nachfragen, ob Designer in einem bestimmten Bereich intensive Erfahrungen gesammelt haben, denn man traut ihnen nicht zu, in verschiedenen Produktbereichen erfolgreich gestalten zu können. Auf dieses aus der Tradition erwachsene Verständnis, sind chinesische Designer eingestellt.

Die chinesische Designausbildung an Kunsthochschulen fördert künstlerische Fertigkeiten, die an technischen Universitäten qualifiziert für den CAD Einsatz. Generell fehlt die Etablierung von logischen Designprozessen und Design Management. In diesen Bereichen sind deutsche Industriedesigner weit voraus.

>> In ihrer Präsentation zeigte Rui Zhong Impressionen zu den Gegensätzen des Lebens in China und zur Entwicklung im Design.

>> www.chinese-german-design-center.com/


Resümee

Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Ob russische Seele, brasilianischer Weg, die chinesischen Tradition des Nacheiferns von Meistern oder die Vielfalt von Sprachen und Religionen in Indien: Das Verständnis der Kultur des jeweiligen Ziel-Marktes ist unabdingbar und man tut gut daran, sich von deutschen Maßstäben zu lösen.

Die Tatsache, dass heute weltweit die gleichen Produkte, seien es Softdrinks oder iPhones, genutzt werden, verführt oft zu dem Gedanken, dass in allen Ländern ähnliche Voraussetzungen und Bedürfnisse gegeben sind, wie in Deutschland. Doch in der gesellschaftlichen Entwicklung geht jedes Land seinen Weg und hat sein eigenes Tempo.

Familienbande
So hat in vielen Kulturen außerhalb Deutschlands der Familienbegriff und –Zusammenhalt noch eine viel größere Bedeutung. Dies wiederum hat nicht zuletzt mit dem Grad und Tempo der Industrialisierung der jeweiligen Länder zu tun. Vielleicht nützt auch hier ein Blick in die Vergangenheit: Vor über hundert Jahren war es auch in Deutschland noch üblich mit mehreren Generationen unter einem Dach zu leben, gab es nur eine Sorte Seife im Kolonialwarenladen und war die Individualisierung der Gesellschaft noch nicht so weit fortgeschritten wie heute.

Schere zwischen arm und reich
In allen vier untersuchten Ländern öffnet sich - trotz oder gerade wegen des Wachstums der jeweiligen Volkswirtschaften - die Schere zwischen arm und reich weiterhin rasant. Damit wachsen dort Märkte sowohl im Luxusbereich wie auch bei der Grundversorgung großer Bevölkerungskreise, zusammen mit dem Bestreben nach nachhaltiger Entwicklung unter Umweltgesichtspunkten. Daraus resultieren ganz unterschiedliche Anforderungen an Produkte und Designleistungen.

Besinnung auf eigene Werte
Im Konsumgüterbereich, bei Interieur und Mode, ist neben der Affinität für globale Marken, überall auch eine Rückbesinnung auf eigene Tradition und Handwerk, zumindest traditionelle Motive und Muster, zu beobachten und zu berücksichtigen.

Good-Enough ist auch gut
Für den Bereich der Investitionsgüter warnte Anfang 2014 eine Studie des VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer den deutschen Maschinenbau davor, auf dem Weltmarkt nur auf High-End-Produkte zu setzen und damit das Feld der sogenannten Good-Enough-Produkte der Konkurrenz aus China zu überlassen. Solche Schlussfolgerungen lassen sich sicher auch für technische Konsumgüter, Fahrzeuge oder Medizintechnologie treffen.   

Und wie sehen die Menschen in den BRIC-Staaten die Deutschen?
Redewendungen und Scherze geben häufig interessante Einblicke in das Verständnis der jeweils anderen Kultur. So sind für die Brasilianer: „Portugiesen dumm und rückständig: - Deutsche sind Portugiesen, die es geschafft haben!“ Und: einem Deutschen fällt es schwer zu verstehen, dass es kein Lehrbuch für Samba geben kann.

Für Russen hat „der Deutsche für alles und für jeden Fall ein Werkzeug.“ Und für Chinesen „kochen Deutsche mit dem Messbecher.“ – Jeder kann immer und überall vor Urteilen über die eigne Kultur stehen.

>> Weitere Informationen zu den Referenten

Konzeption und Projektmanagement: laubstein design management

>> cross culture branding #3 Fokus Ostasien

>> cross culture branding #2

>> cross culture branding #1

>> design center stuttgart


cross culture branding updated
Die Welt auf der Coach: Im ZEITMAGAZIN vom 3. Juli 2014 deuten Therapeuten von Peking über Athen bis Rio die Seelen ihrer Länder >> Link

 

 

 

 Christiane Nicolaus, Leiterin Design Center Stuttgart, Foto: Thomas Schmieg

Rolf Schuhmacher Foto: Thomas Schmieg

 

 

Dr. Spitz, Foto: Thomas Schmieg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andreas Rotzler, Foto: Thomas Schmieg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Panel China, Foto: Thomas Schmieg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Iris Laubstein und Poonam Choudhry, Foto: Thomas Schmieg

 

Foto: Thomas Schmieg